Liebe auf den zweiten Blick

… oder warum ich erst Tage nach der Geburt meine Gefühle gegenüber meinem Baby realisierte

39 Wochen trug ich meinen Baby unter meinem Herzen und 39 Wochen freuten sich mich und mein Mann auf unser kleines Wunder. Nach 17 Wochen stellte sich heraus, dass wir einen Jungen erwarte. Wir konnten kaum glauben, dass wir unseren Sohn in wenigen Wochen in unseren Armen halten werden und stellten uns vor wie unser erstes Kennenlernen wohl aussehen würde. Für mich war klar, dass ich spontan entbinden möchte, nicht um jeden Preis, aber dennoch wollte ich es versuchen wenn keine medizinischen Einwände vorliegen. Bis zur 28. Schwangerschaftswoche lag unser kleiner Mann in Beckenendlage, wodurch in den meisten Fällen ein Kaiserschnitt nötig ist. In der 30. Woche wurden wir bei einer Kontrolle überrascht- unser Sohn hatte sich gedreht und ich würde ihn spontan entbinden können. Als die Wehen zuhause unerträglich worden, brachen wir ins Krankenhaus auf und dachten, dass ich wenige Stunden später unseren Sohn spontan entbinden würde, doch dann kam alles ganz anders.

Nach ziemlich genau 30 Stunden regelmäßiger und sehr schmerzhafter Wehen, einer PDA und einem Wehencocktail später fiel die Entscheidung- es muss ein Not-Kaiserschnitt gemacht werden. Ein Geburtsstop führte dazu, dass mein Zustand kritisch war und der unseres kleinen Mannes lebensbedrohlich, da seine Herztöne immer weiter fielen und sich nach dem Eingriff herausstellte, dass die Nabelschnur zwei Mal um seinen Hals und seinen kleinen Körper geschnürt war. Von der Entscheidung bis unser Junge geboren war vergingen nicht einmal 30 Minuten.

Nach der Geburt durfte ich meinen Sohn keine zwei Minuten sehen, geschweige denn in den Arm nehmen, da das OP-Team noch mit mir beschäftigt war. Nachdem ich unseren kleinen Alexander kurz ansehen durfte und mir versichert wurde, dass sein Zustand stabil ist wurde er weggebracht. Während ich fast 4 Stunden alleine im Aufwachraum verbracht habe, musste sich mein Mann um den Kleinen kümmern und ich hatte bei vollem Bewusstsein -dank PDA- genug Zeit, meine Gedanken kreisen zu lassen. Warum konnte ich nicht normal entbinden und warum kann ich es nicht glauben, dass dieses winzige, hilflose Wesen mein Sohn ist? Mein Bauch ist leer, aber wo ist mein Baby? Warum kann ich es nicht versorgen, wie alle anderen Mütter nach der Geburt? So viele Fragen in meinem Kopf, doch die Antworten fehlen.

Erst in den Tagen nach der Geburt konnte ich das Geburtserlebnis endlich verarbeiten und realisieren, dass ich meinen Sohn, auf den wir wochen- und monatelang sehnsüchtig gewartet haben, endlich in meinen Armen halten darf. Bitte versteht mich nicht falsch- ich kann kaum in Worte fassen wie dankbar ich bin, dass es einen Eingriff gibt, der mir und meinem Sohn vielleicht das Leben gerettet hat, aber dennoch finde ich es unendlich schade, dass ich meinem Sohn gegenüber nicht sofort die Liebe und Zuneigung schenken konnte, die ihm gebührt.

Alles Liebe 💕

nadia.

 

 

 

 

 

 

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s